auch: Paranoia (7)
Den Titel seines Buchs erklärt der Autor gewissermaßen zu einer Denksportaufgabe:
Warum es Gewalt am Denken heißt, erhellt sich beim Lesen, so denke ich, von selbst.
Auf knappen 142 Seiten soll es jedenfalls um die Entstehungsmöglichkeit eines neuen Faschismus gehen. In der Einleitung und an anderen Stellen werden zunächst übertriebene Faschismus-Zuschreibungen und -Befürchtungen zitiert. Beispielsweise diagnostizierten Pier Paolo Pasolini, Roland Barthes und viele andere vorschnell kurz nach dem Zweiten Weltkrieg die Existenz eines neuen Faschismus. Der Faschismus-Vorwurf zieht sich seitdem durch alle Jahrzehnte, auch autoritäre Regierungen benutzen ihn als Keule gegen andere Länder, wie Russland gegen die Ukraine. Die »Querdenker« hielten bekanntlich die Corona-Regelungen der deutschen Bundesregierung für faschistisch.

Barthes gibt die Parole aus: »Faschismus heißt nicht am Sagen hindern, sondern zum Sagen zwingen.« Hier steckt also vielleicht die Wurzel für den Titel des Buchs. Der genannte Zwang ist allerdings nicht exklusiv faschistisch, er existierte auch in der DDR und vielen anderen Ländern. Unter dem Dach des Grundgesetzes haben autoritäre Auslegungen der »freien demokratischen Grundordnung« Pflichten formuliert, deren andere Seite Berufsverbote und willkürliche Antisemitismus-Zuschreibungen sind.
Durch das Buch hindurch zieht sich eine Kritik an „Linken“, die einerseits ständig warnen, aufrufen, alarmieren und andererseits untätig, isoliert und strategieunfähig sind. Sie werden von Terkessidis in Anlehnung an den Buchtitel von Hermann Broch als »Schlafwandler« bezeichnet. Dazu weiter unten mehr.
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