»Sich eine Geschichte anzuhören, hieß für Thomas, in ihre Gestaltung einbezogen zu werden. Seine Rede war ebenso schnell wie seine Bewegungen und erfolgte oft in kurzen Stößen, oft mit geschlossenen Augen …«
Wer einige der vielen auf Film und Video aufgezeichneten Gespräche Alexander Kluges gesehen hat, erkennt hier sofort seine Eigenart wieder, durch ständige und meist produktive Unterbrechungen seiner Gesprächspartner ein Thema auszuweiten, zu ergänzen oder zu konterkarieren. In Ben Lerners dreiteiligem Buch gibt es ein Gespräch, das eigentlich ein Interview sein sollte, zwischen dem Erzähler und »Thomas«, einem multimedial arbeitenden neunzigjährigen Künstler. Zwar liegt in seinem Haus auf dem Boden ein offenbar frisch eingegangenes Buch von Alexander Kluge, dennoch erinnern nicht nur das Gesprächsverhalten, sondern auch Kindheitserlebnisse des deutschen Emigranten Thomas an die Biographie von Kluge – zum Beispiel seine Obsession mit den Bombenangriffen auf Dresden (statt Halberstadt).
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