Autor: hero

  • Stramm wegmoderiert

    via Heiko Hilker

    Was die krisengebeutelte ARD gerne wäre? Dazu gab es jetzt einen »Zukunftsdialog«, wenn auch fast ohne Teilnehmer. …. Chaträume wurden eingerichtet, in denen Zuschauer Programmideen (»Themenraum Programmideen«) einbringen sollten oder Themen wie »Region und Lebensgefühl« oder »Generation Zukunft« diskutieren. ….

    Gemeinsam mit Reinhard Bärenz, Leiter der Kultur beim MDR, bestritt Würzberg die erste Live-Diskussion des Zukunftsdialogs. Gefragt wurde nach regionalen Bands, nach der Klimaberichterstattung und warum es keine gesamteuropäische Quizshow mit angeschlossener App und Open-Source-Code gibt. Es ging also, wie beim öffentlich-rechtlichen Rundfunk nicht anders zu erwarten, um alles. Die Zuschauer durften die Fragen nicht selbst stellen, eine Moderatorin namens Valérie las sie vor. Ein Dialog entstand so nicht, die Fragen wurden brav beantwortet, im Grunde aber stramm wegmoderiert. Gibt es schon, schöne Idee, machen wir aber aus gutem Grund nicht. So in der Art. …. Der Zukunftsdialog selbst zeigt, wie gewaltig das Problem ist: In Spitzenzeiten sahen dem Gespräch, das nach großer Ankündigung am Mittwochabend auf Youtube gestreamt wurde, 34 Zuschauer zu.


    Nicolas Freund, sueddeutsche.de, 10.06.2021 (online)

  • Medienvertrauen ist ein Hoax

    Zusammenfassung einer neuen Reuters-Studie bei EJO

    Vertrauen = Vertrautheit, auf diese simple Erkenntnis scheint es hinauszulaufen.

    Während die Repräsentation bestimmter Communities und der persönliche Kontakt zu Journalisten für die Vertrauensbildung der Rezipienten eine eher geringere Rolle spielt, sind vor allem Faktoren wie die Vertrautheit mit bestimmten Medienunternehmen (»familiarity with brands«) und generelle Urteile über das Erscheinungsbild des jeweiligen Mediums (»stylistic factors«) ausschlaggebend für entsprechende Beurteilungen. »Redaktionelle Prozesse und Praktiken des Journalismus standen selten im Mittelpunkt der Überlegungen zum Thema Vertrauen«, stellen die Autoren fest. Ebenso zielten personelle Urteile häufig eher auf prominente Persönlichkeiten aus den jeweiligen Medien (z. B. Moderatoren) und weniger auf individuelle Journalisten ab. »Eine beachtliche Zahl von Befragten in Brasilien, im Vereinigten Königreich und in den USA konnten nicht einmal einen Journalisten nennen.«

    Ausschlaggebend für die Beimessung von Vertrauen an bestimmte Medien ist laut der Autoren vor allem der äußere Eindruck: Ist eine Person mit Medium A vertraut, scheint sie diesem mehr zu vertrauen als Medium B, das sie vorher noch nie genutzt hat. »Manchmal hatte dieses Gefühl der Vertrautheit weniger mit rationalen Urteilen als vielmehr mit Intuition zu tun«, schreiben die Autoren.

  • André und Heiner

    Hat sich schon jemand nach dem Lesen eines Ihrer Werke das Leben genommen?

    MÜLLER: Nicht nach dem Lesen. Aber nach dem Ansehen einer Aufführung des Stückes ›Der Auftrag‹ in Lyon hat sich ein französischer Theaterkritiker umgebracht, angeblich am selben Abend. Allerdings hatte er sich gerade von seiner Frau getrennt, außerdem war er Kommunist. Das kann eine Rolle spielen.

    Warum sagen Sie so selten die Wahrheit?

    MÜLLER: Weil man zur Wahrheit die meiste Phantasie braucht. Ich bin ja kein Dokumentarist. Was ich schreibe, ist immer Dichtung und Wahrheit, eine Mischung aus Dokument und Fiktion. Ich erlebe etwas und bringe es auf eine poetische Formel, um eine Distanz zu schaffen. Wenn ich das später lese, ist es für mich wie der Text eines Toten.

    – Aus der großartigen Sammlung von Interviews und Texten André Müllers. Das Interview mit Heiner Müller erschien am 14. August 1987 unter der Überschrift »Dichter müssen dumm sein« in der ZEIT.

  • Ufos vierdimensional

    Ufos oder, in neuerer Nomenklatur, UAP (Unidentified Aerial Phenomena), sind typische Sommerloch-Phänomene. Meist werden sie als Sinnestäuschungen, Luftspiegelungen o. ä. abgetan. Dabei gibt es eine überzeugende Theorie, die ursprünglich Charles Hinton, einer der Schwiegersöhne von Mary Boole, ab 1886 in seinen Scientific Romances entwickelte. Es könnte sich um vierdimensionale Wesen oder Objekte handeln, die als Projektionen in unserer dreidimensionalen Wahrnehmungswelt erscheinen. Mircea Cǎrtǎrescu fasst Hintons Erläuterungen mit dem Beispiel einer vierdimensionalen Gabel zusammen:


    Mircea Cǎrtǎrescu: Solenoid. Wien: Zsolnay, 2019, 495.

  • Gattungspoesie

    Aus dem Artikel Wrestling-Matcharten in der deutschen Wikipedia.

    Als Referenz unverzichtbar ist diese lexikalische Seite.

    Zum Einstieg in eine weiterführende Diskussion des Wrestling als dramatischer Form geeignet:

    Das Wrestling scheint eindeutig eine »geschlossene« Form des Dramas zu sein.