Das Buch ist eine autofiktionale über 300-seitige Materialsammlung zu einem Roman, die ein Roman ist. Zu erfahren sind beliebige Details aus der New Yorker Nachbarschaft der Ich-Erzählerin, gelegentlich etwas über eine gestreifte Katze, die ihr Territorium dort hat,viel über ihren Hund Genet. Sie teilt ihre Wohnung und ihr Leben mit ihrem Mann John, im zweiten Teil des Buchs ist sie schwanger.

Sie unterrichtet an einer Universität, setzt sich vor allem mit deutschen Autoren auseinander und verfolgt ein Rilke-Projekt. Deshalb gibt es auch aus dessen Leben schnipselartig hingestreute Details. Auch das ist zu erfahren: Lou Andreas-Salomé hatte mit ihren Hunden kein Glück.
Anregend sind kurze Referenzen, die Robert Walser betreffen. Weniger angenehm war mir bei der Lektüre der häufige Bezug zu Chris Markers Film Sans Soleil, dessen Poetisierung der Ungewissheit es der Erzählerin angetan hat. Sofern sie sich dabei auf das Feld zwischen dokumentarischem Schreiben und Fiktionalität bezieht, ist die Referenz verständlich und sozusagen ein Selbstkommentar der Autorin. Die bei Marker prominente Ablehnung von Theorie fällt bei den kurzen Erwähnungen nicht so auf, meine Bewertung seiner Arbeit hat sie jedoch geprägt.
Die aneinander gestückelten, ineinander driftenden Beobachtungen, Einfälle und Lesefrüchte sind auf den ersten 80 bis 100 Seiten interessant zu lesen. Sie lösen Vorstellungen über Leben einer Intellektuellen im heutigen New York aus. Dann geht allerdings die Neugier und das Interesse zurück. Die Sprunghaftigkeit als Masche trägt jedenfalls für mich keine durchgängige Lektüre des Buchs. Immer mal wieder zwanzig Seiten, dann ein paar Tage ruhen lassen, das könnte jedoch funktionieren.
Übersetzt wurde das Buch von Dorothee Elmiger, und zwar sehr gut und ohne Stolpersteine übersetzt.
Kate Zambreno: Drift. Zürich: Aki Verlag, 2024.