Das blinde Licht
Das Buch des in Chile lebenden Autors wird im Klappentext als Roman bezeichnet, aber es ist keiner. Es sind vier unabhängige biographische Essays mit teilweise fiktionalen Ausschmückungen.

Das erste, Preußischblau, handelt von Drogen. Den Amphetaminen, mit denen Soldaten den Zweiten Weltkrieg durchstanden – Pervitin wurde in großen Mengen konsumiert, wie der Briefwechsel des Soldaten Heinrich Böll belegt.
Dem Zyankali, mit dem hunderte Nazitäter ihr eigenes Ableben besorgten. Von Zyankali schwenkt Labatut auf das Cyanid, das in Zyklon A und B enthalten ist, und auch im Preußischblau, das Anfang des 19. Jahrhunderts in der Werkstatt des Schweizer Farbenherstellers Jacob Diesbach erfunden wurde. Beteiligt war ein junger Alchemist, Johann Conrad Dippel. Ein anderer Chemiker, der an Farben arbeitete, Carl Wilhelm Scheele, entdeckte unabsichtlich nebenbei das Arsen. Dieser »geduldige Mörder« tötete viele Menschen, und Alan Turing präparierte dabei einer Legende gemäß einen Apfel, in den er dann biss. Die Giftgase im Ersten Weltkrieg und das dort eingesetzte Chlorgas sind mit dem Namen des jüdischen Chemieprofessors Fritz Haber verbunden. Dieser hatte vorher Stickstoffdünger entwickelt, mit dem sich die Düngemittelknappheit bekämpfen ließ. Eine der vielen Anekdoten, die das ganze Buch durchziehen, ist in diesem Zusammenhang der Hinweis auf englische Banden, die im kolonisierten Ägypten insgesamt drei Millionen Skelette ausgruben, um sie zu zermahlen und so als Dünger anzubieten. Die Skelette wurden nach Hull verschifft und in Knochenmühlen in Yorkshire verarbeitet. In Nordamerika wurden angeblich etwa dreißig Millionen Bisonschädel ausgebuddelt, die ebenso in Fabriken zu Düngemitteln und Farben verarbeitet wurden.