Auf den Inhalt dieses Buchs kommt es gar nicht an. Dorothee Elmiger wird von der Kritik mehrheitlich dafür gelobt, dass sie Horror zu erzeugen vermag. Den Horror weitergeben, den die Protagonisten eines indirekt erzählten Erlebnisberichts gespürt haben sollen, als sie auf den Spuren von zwei verschwundenen Niederländerinnen durch ein Dschungelgebiet Panamas geistern. Die Protagonisten, unter anderem die Ich-Erzählerin, haben verschiedene Aufgaben in einer Schlingensief-inspirierten Theatertruppe, die einen Herzog-inspirierten Kampf mit den Elementen aufnimmt und in ein Conrad-inspiriertes Herz der Finsternis zu geraten droht. Die Gruppe nimmt die Spur der Verschwundenen auf, ist umständehalber aufeinander bezogen und gerät (durch die Reiseliteratur von Chaucer bis Dickens und darüber hinaus inspiriert) ins Erzählen. Ethnographisch ist nicht viel los in den Erzählungen, es ist also nichts (Hubert) Fichte-inspiriertes zu finden. Stattdessen einige Tropen-Phantasmen. Und ausreichend deutliche (aber dann in Form und Inhalt folgenlose) Anspielungen auf die Kritische Theorie, auf Sprachskepsis, auf Kolonialismuskritisches, was auch in beinahe jeder Rezension gewürdigt wird.
Der indirekte Bericht – die Erzählerin ist Zuhörerin einer Erzählerin, die wiederum Zuhörerin anderer Erzähler und Erzählerinnen ist – macht die Lektüre unbequem und stellt sich selbst in Frage, weil die erzählten Episoden letztlich perlenschnurartig aneinandergereiht sind und durch die Indirektheit nichts gewinnen.
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