Was für ein Kontrast – zu den kürzlich gelesenen Büchern von Elminger, Edelbauer oder gar Schneider. Michal Ajvaz ist ein hierzulande unverständlicherweise unbekannter Autor. Seine Übersetzerin Veronika Siska ist gleichzeitig seine deutsche Verlegerin im kürzlich gegründeten Münchner Allee-Verlag.
Der Roman beantwortet in 22 recht kurzen Kapiteln die Frage seines Erzählers auf atemberaubend heitere Weise:
Ist es möglich, dass in unserer nächsten Nähe eine Welt existiert, die vor sonderbarem Leben überbordet, die vielleicht früher als unsere Stadt hier gewesen ist, und von deren Existenz wir überhaupt nichts wissen? [65]
Einen Vorschein dieser anderen Welt erleben wir vielleicht schon in unserem Alltag, wenn wir beim Putzen einen Schrank beiseite schieben »und plötzlich in das ironisch gleichgültige Gesicht seiner Hinterwand« [66] blicken. Der Ich-Erzähler gerät durch die Ausleihe eines Buchs, das er in einer Bibliothek entdeckt hat, in eine andere Welt. Es zog ihn durch seinen samt-violetten Einband und seine rätselhafte unbekannte Schrift an. Diese Schrift schien ein eigenes Leben zu haben, Lichteffekte, Bewegung und schließlich eine dreidimensionale Bildwelt zu entwickeln, eine Stadt in, hinter, unter oder neben dem ihm bekannten Prag. Ein Bibliothekar berichtet am nächsten Tag vom Einbruch einer anderen Welt in die eigene, erzeugt durch ausführliches Inspizieren desselben Buchs, und macht Andeutungen über einen geheimnisvollen und gefährlichen Flügel seiner Bibliothek, den er selbst nicht mehr betreten wolle. Und dann gerät der Erzähler selbst in den Nachtstunden immer wieder für eine gewisse Zeit, indem er neugierig rätselhaften Hinweisen folgt, in diese andere Welt hinein.
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