ALLES VERGEBLICH (ODER?)

  • Prinzip Enttäuschung

    Niemand, der die folgenden zweihundert Seiten gelesen hat, möge sich der Hoffnung hingeben, auf dieser Basis die Wege Parsons’ verstanden zu haben und ihnen folgen zu können. Parsons’ Werk ist ein Labyrinth; ein Colosseum von Begriffen und Konzepten, das vermutlich dazu verurteilt ist, als gigantische Geistesruine am Wege der Geschichte zurückzubleiben. Der folgende Einführungstext ist nur eine Beschreibung. Wer zu Parsons will, muß sich in das Labyrinth selbst wagen.

    Berlin, Juli 1980 Stefan Jensen


    Jensen, Stefan: Talcott Parsons. Eine Einführung. Stuttgart: Teubner, 1980.

  • Inside Tagesschau

    Ungleich verteilt: Die Auslandsberichterstattung

    so heißt ein Kapitel in Alexander Teskes Buch Inside tagesschau.

    Teske berichtet aus dem Maschinenraum der Nachrichtenproduktion, er war selbst sechs Jahre lang Redakteur bei ARD aktuell. Hinter jeder Nachricht, die von der Tagesschau gebracht wird – und hinter jeder, die nicht gebracht wird – stehen Entscheidungen, die innerbetrieblichen Gefühlslagen entsprechen und ganz offenkundig nichts mit der Relevanz eines Geschehens für das deutsche Publikum zu tun haben. Zitat der stellvertretenden Planungschefin: »Mich interessieren die vielen Toten auf Sulawesi gar nicht. Bestell lieber ein Stück zu Kavanaugh«.

    Es muss sicher berücksichtigt werden, dass das Buch ein Produkt persönlicher Enttäuschungen ist und nicht von wissenschaftlicher Neugier – wie beispielsweise die ethnographische Studie Inside the TV Newsroom, die Tine Hassall Thomsen 2018 veröffentlichte. Die geschilderten Details sollten allerdings ausreichen, um die öffentlich-rechtlichen Unternehmensleitungen und Aufsichtsgremien aufzurütteln. Die eklatante Schieflage der Auslandsberichterstattung ist dabei nur eins der heiklen Themen, aber offenbar ein Korrelat der strukturellen Probleme des Tagesschau-Journalismus, wie ihn Teske darstellt.

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  • Zauberberg, zweiter Versuch

    Ich habe, offen gesagt, noch nie einen Leser getroffen, der an den Diskussionen zwischen Naphta und Settembrini echte Freude gehabt hätte – und doch wird kaum einer leugnen, daß der Roman diese Dialoge ebenso braucht wie die doch oft recht bleiernen Passagen über Krankheit, Bakterien und Kosmologie. (Daniel Kehlmann)

    Mag sein, dass das für den Roman zutrifft, auch wenn mir die Verteilung des Stoffes nicht völlig einleuchtet. Für mich trifft es allerdings absolut nicht zu. Mich machen hunderte von Seiten an moribunden Beobachtungen und Überlegungen nur beklommen. Andererseits kann die Phase unmittelbar vor 1914 mit einem gewissen Recht als präfinal bezeichnet werden, wie das letzte Stadium einer Krankheit, und die Atmosphäre in Davos steht für die Situation ganz Europas, das ohne klaren Verstand auf das Völkerschlachten zu taumelt.

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  • Fehlkonstruktion

    Wie einige andere Amazon-Kunden in den Rezensionen angemerkt haben: Bei allen neueren Kindles – außer Scribe – ist der Ein-/Ausschaltknopf an der unteren Gehäusekante angebracht. Das ist eine ungeeignete Position.

    Wenn ich das Gerät am Tisch benutzen möchte, ist die Verwendung eines Ständers optimal. Das geht aber leider nicht, weil man das Gerät beim leisesten Druck (Umblättern, auf dem Tisch verschieben) ausschaltet. Ich verhindere das nun mit einer häßlichen Bastellösung, siehe Foto. Abgebildet ist ein Colorsoft, in der Familie gibt es auch ein Paperwhite, gleiches Gehäuse. Der Knopf gehört an die obere Gehäusekante!

    Ich habe zwei Holzstäbchen mit Tape an die Gehäusekante geklebt, damit der Schalter nicht den Ständer berührt.

  • Nicht mein Bioskop

    Nach 350 Seiten habe ich aufgegeben. Ich verstehe, nicht, warum so viele Rezensenten sich »gefesselt« und fasziniert geben von der ausschweifenden Erzählung Clemens Meyers. Mich hat die Mischung von Geschichte und Geschichten nicht gebannt, obwohl ich immer wieder versucht habe, einige der Erzählschichten interessant zu finden – die Partisanenaktionen gegen die deutsche Wehrmacht, die Figur Lex Barkers (mit der Silberplatte im Schädel), die leider immer etwas unklaren Karl »Dr.« May-Anspielungen, die politischen Nachkriegswirren in Jugoslawien usw. Ich wollte regelrecht, dass sich Meyer als ein neuer Pynchon entpuppt. Da half letztlich aber auch die Entdeckung von Anspielungen auf Jünger, Malaparte und andere Autoren nicht. Angesichts meiner Kapitulation vor den letzten zwei Dritteln des Buchs wäre es nicht gerecht, Clemens Meyer dafür verantwortlich zu machen, dass mich der Wust seines zusammenrecherchierten Materials und die daraus gezogene Thematik nicht interessiert hat. Ich ziehe mich mit Bedauern zurück.


    Clemens Meyer: Die Projektoren. Frankfurt am Main: S. Fischer, 2024.